Long Covid:
Leons Geschichte macht Mut.
Der 15-jährige Leon ist Leistungssportler im Rudern – und das sehr erfolgreich. Dass er den Sport noch so erfolgreich ausüben kann, grenzt für ihn und seine Familie an ein Wunder. Denn vor gut einem Jahr war er noch im kokon Rohrbach-Berg auf Long-Covid-Reha. 1 Jahr später besucht er uns und zeigt stolz seine Medaillen der letzten Monate. Die erste Medaille widmet er kokon, denn die Reha hat ihm beim Umgang mit seiner Erkrankung enorm geholfen. Über seine Erkrankung, seinen Reha-Aufenthalt, den Weg zurück zum Leistungssport und wie er die Herausforderungen meistert, die ihn bis heute begleiten, erzählt er uns hier.
Begonnen hat alles im Herbst 2024: Mit Übelkeit, Konzentrationsschwächen, starkem Gewichtsverlust in kürzester Zeit und schlussendlich einem Kollaps in der Schule. Davor war er – wie so viele Betroffene – ein sportlicher und aktiver Jugendlicher, der als großes Nachwuchstalent im Rudersport galt und es bereits in die OÖ-Auswahl schaffte.
Die nun kommenden Monate waren geprägt von Krankenhaus-Aufenthalten, zahlreichen Untersuchungen und der Suche nach dem Warum. Für Leon neben der körperlichen auch eine enorme psychische Belastung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es außerhalb des Krankenhauses keine Anlaufstellen gab und das Verständnis in der Schule komplett fehlte.
„Reha war mein Wendepunkt“
Im Vergleich zu vielen anderen Betroffenen wurde bei Leon zum Glück relativ früh der Verdacht auf Long Covid erkannt und ein Reha-Antrag gestellt. Im Mai 2025 war es schließlich soweit: Leon kam erstmals ins kokon Rohrbach-Berg und blieb nach einer Verlängerung insgesamt sechs Wochen. Diese Zeit hat ihn nachhaltig geprägt. „Die Reha hier in Rohrbach-Berg hat mir sehr geholfen. Ich habe gelernt, besser auf meinen Körper zu hören und verstanden, wie wichtig das richtige Maß an Belastung und Erholung – das sogenannte Pacing – ist“, erzählt Leon.


Auf seinem Weg zurück in den Alltag wurde Leon dabei von unserem interdisziplinären Team begleitet: Physiotherapie, behutsam aufgebautes Bewegungstraining, Gruppentherapien, psychosoziale Begleitung, Entspannungseinheiten und die diätologische Betreuung aufgrund seines starken Gewichtsverlustes griffen eng ineinander.
Doch auch wenn es körperlich Schritt für Schritt bergauf ging, blieb die Angst vor einem Rückfall – und diese begleitet Leon bis heute. Immer wieder stellte er sich dieselbe Frage: „Gibt es überhaupt jemanden, der wieder ganz gesund wurde?“ Genau deshalb möchte er seine Geschichte erzählen.
Schritt für Schritt zurück in den Alltag
Leon ist mittlerweile auf einem guten Weg. Der 15-Jährige besucht die HTL und kann den Schulalltag wieder regelmäßig meistern. Dass seine Lehrer großes Verständnis für seine Erkrankung zeigen und ihn bestmöglich unterstützen, ist für ihn eine enorme Erleichterung.
Dennoch begleiten ihn die Folgen von Long Covid weiterhin – insbesondere im kognitiven Bereich: Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, verlangsamtes Denken („wie Watte im Kopf“), Schwierigkeiten beim Multitasking sowie eine rasche mentale Erschöpfung gehören nach wie vor zu seinem Alltag. Obwohl er den Unterricht besuchen kann, fällt es ihm aufgrund des sogenannten Brain Fog nicht immer leicht, den Inhalten durchgehend zu folgen.
Mithilfe der Pacing-Methode und einer konsequenten Pulskontrolle hat Leon gelernt, gut mit seiner Erkrankung umzugehen und seine körperliche Belastung gezielt zu steuern. Ein geregelter Tagesablauf mit ausreichend Schlaf spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auf lange Abende mit Freund:innen verzichtet er deshalb bewusst, um seinem Körper die nötige Erholung zu geben.


Der Sport als Anker
Eine ganz besondere Rolle spielt für Leon der Rudersport. Er gibt ihm nicht nur körperliche Kraft, sondern auch Stabilität, Motivation und ein Stück Normalität zurück. Sein Ruderverein, der RC Wels, und insbesondere sein Trainer Christian Tumeltshammer unterstützten ihn auf dem Weg zurück mit viel Verständnis für seine Situation und ganz ohne Leistungsdruck.
Heute kann Leon wieder mit Freude Leistungssport ausüben – und genau das ist für ihn das größte Geschenk. Die Medaillen und sportlichen Erfolge, die er inzwischen wieder erreichen konnte, freuen ihn natürlich sehr. Im Mittelpunkt steht für ihn aber etwas anderes: wieder auf dem Wasser zu sein, trainieren zu können und seinen Lieblingssport ohne größere Einschränkungen auszuüben. „Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Vereine und Organisationen gäbe, die Menschen bei der Bewältigung einer Krankheit unterstützen und ihnen Halt geben. Leider ist das noch immer viel zu selten der Fall“, so Leon.
Neben dem Ruderverein waren vor allem Leons Eltern sein größter Rückhalt, die ihn in den vergangenen Jahren durch alle Höhen und Tiefen begleiteten. „Für ihre Unterstützung und ihren unermüdlichen Rückhalt bin ich bis heute sehr dankbar.“
Natürlich gibt es noch Tage, an denen Leons Körper mehr Erholung braucht und er ein Training aussetzen muss. Doch diese Tage werden zum Glück immer seltener.
Wir freuen uns von Herzen über Leons positive Entwicklung und wünschen ihm für seinen weiteren Weg alles erdenklich Gute.
Danke, lieber Leon, dass du mit deiner Geschichte unseren Patient:innen etwas Hoffnung und Zuversicht geschenkt hast.
Weitere Informationen
Eine wichtige Anlaufstelle auf Leons Weg zurück war und ist der Verein UNLOCKJU. Dieser setzt sich für mehr Sichtbarkeit und Bewusstsein für Long Covid und ME/CFS ein und bietet Betroffenen in Oberösterreich eine wertvolle Möglichkeit zur Vernetzung. Mehr über den Verein erfährt ihr unter: www.unlockju.at.