Stabilität neu gewinnen – Bewegung neu lernen
Rehabilitation bedeutet mehr als nur funktionelle Verbesserung: Ein besonders berührendes Beispiel dafür ist Charlotte, die im kokon Bad Erlach mobilisierend rehabilitiert wurde.
Charlotte kam mit einer angeborenen Fehlbildung der Wirbelsäule zur Welt. Dabei war ihr Rückenmark im Körperinneren eingeengt und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, was unter anderem Auswirkungen auf ihre Bewegungsfähigkeit und die Blasenfunktion hatte. Nach zwei schweren Eingriffen im Jahr 2024 musste sie vieles neu lernen, was für andere Kinder selbstverständlich ist: stehen, gehen, sich sicher bewegen.
In der Rehabilitation erhielt Charlotte ein umfassendes, interdisziplinäres Therapieprogramm – von Physio- und Ergotherapie im Einzel- und Gruppensetting über Klettertraining, Psychologie, Logopädie und diätologische Begleitung bis hin zu Kunst- und Musiktherapie. Doch mindestens ebenso wichtig wie die Vielzahl der Therapien war das, was zwischen den Einheiten entstand.
„Kinder, die wiederholt medizinische Behandlungen oder chirurgische Eingriffe erleben, brauchen nicht nur auf körperlicher Ebene Unterstützung. Die Bewältigung von Angst, Schmerzen oder Einschränkungen muss auch in der Psyche aufgearbeitet werden, um keine Langzeitfolgen nachzuziehen“, erklärt Prim Dr. Jutta Falger, Ärztliche Direktorin und Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde im kokon Bad Erlach. „Es geht darum, Sicherheit im eigenen Körper wieder aufzubauen – Schritt für Schritt und gemeinsam über alle Berufsgruppen hinweg.“
Auch aus physiotherapeutischer Sicht stand nicht nur das Wiedererlernen von Bewegungen im Fokus. „Zu Beginn waren Dinge wie freies Stiegensteigen, Balancieren oder Klettern kaum möglich“, berichtet Nicole Ploeb, BSc, Physiotherapeutin und Teamleiterin des funktionellen Teams im kokon Bad Erlach. „Nach sechs Wochen konnte Charlotte diese Bewegungen wieder selbstständig durchführen. Vor allem aber hat sich ihre Angst vor Bewegung deutlich reduziert – und damit auch ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“
Physiotherapie war Charlottes Lieblingstherapie – ein entscheidender Faktor für Motivation und Durchhaltevermögen. Mit jeder neu gewonnenen Bewegung wuchs auch ihr Selbstbewusstsein. Der Moment, in dem sie wieder auf ihren Roller stieg und losfuhr, wurde zum sichtbaren Zeichen dieses Weges.
„Dieser Augenblick war mehr als ein therapeutisches Ziel – er stand für Lebensqualität und Selbstständigkeit“, berichtet Charlottes Mutter. Ein Moment, der zeigt, was entstehen kann, wenn medizinische Expertise, Geduld und emotionale Sicherheit zusammenwirken.
Genau darin liegt die Kraft der Rehabilitation. Sie verbindet fachliche Kompetenz mit Menschlichkeit. Sie stärkt nicht nur Gelenke, Muskeln oder Nervenbahnen, sondern auch Selbstwirksamkeit, Motivation und Zuversicht.